Schon gehört von den grossen Drei?
Schon gehört von den grossen Drei?
( Das obige Bild ist ein Stich von Fredrik Sanders 1893 aus Poetic Edda. Der Titel des Stichs: “Nornorna vid Urdarbrunnen” > Foto von Haukurth (Lizenz: gemeinfreies Bild )
Die Nornen / Nornir (altnordisch) tragen viele verschiedene Namen. In der germanischen Mythologie werden sie als schicksalsbestimmende weibliche Wesen beschrieben. Des Weiteren heissen sie auch drei Schwestern der Nott (Nacht), oder sie werden das Dreigespann der Schwestern genannt. Anderswo sind es die drei germanischen Schicksalsfrauen oder Schicksalsmütter. Bekannt ist auch die Bezeichnung der drei Spinnerinnen, die das Netz der Zeit weben. Öfters ist ganz einfach nur von den grossen Drei die Rede.
Bereits bei den Kelten war eine weibliche Göttinnentrias, bei den Griechen die Moiren und bei den Römern die Parzen, verbreitet. Angelehnt an den Text in meinem Runenbuch S. 110, wollen hier unbedingt auch die Matronengöttinnen aus der römisch-germanisch-keltischen Religion erwähnt werden, da ihre grosse Ähnlichkeit mit den Nornen unübersehbar ist.
Für die Germanen galten die drei Schicksalsspinnerinnen als uralte Göttinnen. Laut der germanischen Mythologie soll ihr Vater ein Riese namens Nörfi gewesen sein. Demnach liegt die Vermutung nahe, dass auch die Nornen Riesinnen sind. Ihre Macht wurde gefürchtet, geehrt und trotz Christianisierung heimlich weitergepflegt, obschon die christliche Religion dieses Brauchtum strengstens verboten hatte und arg bestrafte. So blieb dem Papsttum in Rom nichts anderes übrig, als die drei sogenannt heidnischen Göttinnen mit christlichen Frauenfiguren zu ersetzen und einen christlichen Brauch daraus zu machen. Demzufolge lebten die drei Nornen fortan im deutschsprachigen Europa in den heiligen drei Bethen, nämlich mit den Namen Ambeth, Wilbeth und Borbeth, weiter. Diese drei Bethen durften verehrt und für Schutz und Hilfe in der Not «angebehtet» werden. Später wurden diese Bethen dann durch die drei Marien, den heiligen drei katholischen Nothelferinnen Margaretha, Katharina und Barbara ersetzt.
Die drei Nornen Urd, Verdandi und Skuld gelten als Hüterinnen der Runen und erleben mit ihnen zusammen ein Comeback im 21. Jh. Noch heute sitzen die Drei an der Wurzel des Weltenbaumes Yggdrasil, nahe an der Quelle Urd in Asgard. Seit Urzeit spinnen sie das Schicksal oder Geschick eines jeden einzelnen Menschen gleich einem Faden und weben damit das alles mit allem verbindende Netz. Dieses Gewebe wird auch das germanische Wyrd oder Wurd genannt. Die drei Nornen sind mit dem Samstag besonders verbunden und die Runen Nauthiz, Perthro und Dagaz sind ihnen geweiht.
Urd oder Urda (altnordisch) bedeutet «das Gewordene». Sie wird als weise alte Frauenfigur dargestellt. Sie verkörpert die Alte, die Ahnin, die der Vergangenheit entspricht. Sie hütet alles, was geworden und vorüber ist, also alle Zeit und Geschehnisse, die hinter uns liegen. Die Mutterrune von Urd ist Isa.
Verdandi (nordisch für «werdend» oder «das Werdende») ist die Gegenwärtige und sie wird als Mutterfigur dargestellt. Sie entspricht allem, was jetzt soeben ist oder geschieht und was jetzt gerade im Werden begriffen ist. Dieser Zeit, der Gegenwart, sollen wir unsere grösste Aufmerksamkeit schenken, denn nur das Jetzt ist veränderbar. Das Geschenk von Verdandi ist sozusagen, dass die Gegenwart alle Möglichkeiten zur Veränderung beinhaltet. Das Schicksal ist somit nicht vorherbestimmt, sondern wir stehen öfters vor Wegverzweigungen und können den für uns stimmigen Weg wählen und für uns passende Entscheidungen fällen. Die Mutterrune von Verdandi ist Gebo.
Skuld (nordisch für «Schuld, das was sein soll») ist die Zukünftige und sie wird als Jungfrau dargestellt. Die Übersetzung «Schuld» kann missverstanden werden. Damit ist gemeint, dass alle Geschehnisse und Entscheidungen in unserem Leben zukünftige Auswirkungen haben. Womit anders ausgedrückt die Konsequenz gemeint ist. Die Mutterrune von Skuld ist Ingwaz.
Möchtest du die grossen Drei näher kennenlernen?
Wie wir uns persönlich mit den drei Nornen verbinden können, gehört unter anderen Themen zum Inhalt der Runen-Seminare 4 und 6. Bist du auch dabei?